6 Longevity-Tipps, durch die sich das Brustkrebsrisiko senken lässt
- Dr. Christian Lunow
- 11. März
- 6 Min. Lesezeit
Brustkrebs ist weltweit die häufigste Krebserkrankung bei Frauen. Jedes Jahr erkranken Millionen Menschen neu daran. In Deutschland erkrankt etwa jede achte Frau an Brustkrebs. Allein im Jahr 2023 wurden weltweit 764.000 Todesfälle registriert, die auf Brustkrebs zurückzuführen sind. Etwa 24 Millionen gesunde Lebensjahre seien dadurch verloren gegangen. Das hat eine große aktuelle Analyse errechnet, die im Fachjournal The Lancet Oncology veröffentlicht wurde. Sie zeigt jedoch auch eine wichtige und zugleich ermutigende Erkenntnis: Ein erheblicher Teil der Brustkrebsfälle hängt mit veränderbaren Lebensstilfaktoren zusammen – und wäre theoretisch vermeidbar. Wir erklären, welche diese Faktoren sind und was jeder tun kann, um sein Erkrankungsrisiko zu reduzieren.

1. Was ist die Ursache von Brustkrebs?
Brustkrebs entsteht, wenn Zellen des Brustgewebes genetische Veränderungen (Mutationen) entwickeln, die dazu führen, dass sie sich unkontrolliert teilen und wachsen. Normalerweise besitzt der Körper komplexe Kontrollmechanismen, die die Zellteilung regulieren und beschädigte Zellen reparieren oder absterben lassen. Bei Brustkrebs sind diese Mechanismen gestört: Mutationen in bestimmten Genen führen dazu, dass Zellen weiter wachsen, obwohl sie es eigentlich nicht sollten. Mit der Zeit kann sich aus diesen veränderten Zellen ein Tumor entwickeln.
Die eigentliche „Ursache“ von Brustkrebs ist deshalb meist nicht ein einzelner Faktor, sondern das Zusammenspiel mehrerer Einflüsse, die genetische Schäden begünstigen oder die Zellteilung im Brustgewebe stimulieren.
Ein wichtiger Faktor ist das Alter. Das Risiko für Brustkrebs steigt mit zunehmendem Alter, weil sich im Laufe des Lebens mehr genetische Veränderungen in Zellen ansammeln können.
Ein anderer Faktor sind hormonelle Einflüsse, insbesondere das weibliche Sexualhormon Östrogen. Viele Brusttumoren reagieren auf Östrogen, das das Wachstum von Brustzellen stimuliert. Eine lange hormonelle Exposition – etwa durch eine frühe erste Menstruation, späte Menopause oder bestimmte Hormonersatztherapien – kann daher das Risiko erhöhen.
Auch genetische Faktoren spielen eine Rolle. Einige Menschen tragen vererbte Mutationen in Genen wie BRCA1 oder BRCA2, die normalerweise DNA-Schäden reparieren. Wenn diese Gene nicht richtig funktionieren, steigt das Risiko, dass sich gefährliche Mutationen ansammeln. Allerdings sind solche erblichen Formen relativ selten; sie machen nur etwa fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebsfälle aus.
Neben genetischen und hormonellen Einflüssen tragen auch Lebensstilfaktoren zum Risiko bei. Die neue Studie unterstreicht: Etliche Todesfälle seien durch Änderungen des Lebensstils vermeidbar.
2. Was zeigte die neue Brustkrebs-Studie?
Ein internationales Forschungsteam um Lisa Force von der University of Washington in Seattle analysierte Daten aus mehr als 200 Ländern und untersuchte die Entwicklung der Erkrankung zwischen 1990 und 2023. Demnach wurden allein im Jahr 2023 weltweit etwa 2,3 Millionen neue Brustkrebsfälle und rund 764.000 Todesfälle registriert. Gleichzeitig prognostizieren die Forschenden, dass die Zahl der jährlichen Neuerkrankungen bis 2050 auf mehr als 3,5 Millionen steigen könnte.
Besonders bemerkenswert ist eine zentrale Schlussfolgerung der Studie: Rund 28 Prozent der globalen Brustkrebsbelastung lassen sich auf sechs modifizierbare Risikofaktoren zurückführen. Anders ausgedrückt: Mehr als ein Viertel der krankheitsbedingten verlorenen Lebensjahre könnte theoretisch durch Veränderungen im Lebensstil verhindert werden.
Diese Erkenntnisse rücken Prävention stärker denn je in den Mittelpunkt der Diskussion. Denn auch wenn genetische Faktoren, Alter oder hormonelle Einflüsse eine wichtige Rolle spielen, zeigen die Daten deutlich, dass alltägliche Gewohnheiten einen erheblichen Einfluss auf das individuelle Brustkrebsrisiko haben.
3. Diese 6 Risikofaktoren erhöhen das Brustkrebsrisiko
Die Studie identifiziert sechs zentrale Risikofaktoren, die weltweit zu einem erheblichen Teil der Brustkrebsfälle beitragen. Dabei berechneten die Forschenden exemplarisch, wie stark jeder einzelne Risikofaktor zu den 24 Millionen gesunden Lebensjahren beitrug, die 2023 durch Erkrankung oder frühzeitigen Tod durch Brustkrebs verloren gingen:
1. Rotes Fleisch
Der größte einzelne Faktor ist eine Ernährung mit hohem Anteil an rotem Fleisch. Sie steht laut Analyse mit etwa elf Prozent der Krankheitslast in Zusammenhang. Rotes Fleisch stammt etwa von Rind, Schwein, Ziege und Schaf. Eine Vielzahl an Forschungsarbeiten konnte bereits zeigen, dass insbesondere regelmäßiger und hoher Verzehr von rotem Fleisch – vor allem verarbeitetem Fleisch – mit verschiedenen anderen chronischen Erkrankungen in Verbindung steht. Einer der am besten belegten Zusammenhänge betrifft Darmkrebs.
Ein Verzicht auf den Verzehr größerer Mengen roten Fleisches hätte laut der Studie demnach allein im Jahr 2023 2,6 Millionen zusätzliche gesunde Lebensjahre bedeutet.
2. Rauchen
Auch Tabakkonsum – einschließlich Passivrauchen – spielt eine bedeutende Rolle und wird mit rund acht Prozent der Fälle in Verbindung gebracht. Rauchen gehört allgemein zu den bedeutendsten vermeidbaren Gesundheitsrisiken weltweit. Tabakkonsum ist mit einer Vielzahl von Erkrankungen verbunden und gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren für vorzeitige Sterblichkeit. Ein Verzicht hätte laut den Autoren der Studie für das Jahr 2023 bedeutet, dass 1,9 Millionen gesunde Lebensjahre mehr erhalten geblieben wären.
3. Erhöhte Blutzuckerwerte
Erhöhte Blutzuckerwerte hatten laut der Studie einen Anteil von sechs Prozent. Das mag überraschen. Gesundheitsgefahren durch erhöhte Blutzuckerwerte sind eher im Kontext von Typ-2-Diabetes bekannt, einer Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper Glukose nicht mehr effektiv regulieren kann. Gut untersucht ist zudem der Zusammenhang zwischen erhöhtem Blutzucker und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Menschen mit chronisch erhöhten Glukosewerten haben ein deutlich höheres Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall.
In den letzten Jahren hat sich allerdings zunehmend gezeigt, dass erhöhte Blutzucker- und Insulinspiegel möglicherweise auch das Krebsrisiko beeinflussen können. Studien deuten darauf hin, dass Menschen mit Diabetes oder chronischer Hyperglykämie ein erhöhtes Risiko für mehrere Krebsarten haben, darunter Leber-, Bauchspeicheldrüsen- und Darmkrebs.
Die aktuelle Studie fand heraus: Eine bessere Kontrolle und Regulierung von Blutzuckerwerten hätte rund 1,4 Millionen gesunde Lebensjahre gerettet, die aufgrund von Brustkrebserkrankungen im Jahr 2023 verloren gingen.
4. Übergewicht
Ein hoher Body-Mass-Index (BMI) stand mit vier Prozent der verlorenen gesunden Lebensjahre in Verbindung. Dabei handelt es sich um eine Kennzahl zur Einschätzung des Körpergewichts im Verhältnis zur Körpergröße.
Ein erhöhter BMI – insbesondere im Bereich von Übergewicht und Adipositas – ist mit einer Vielzahl gesundheitlicher Risiken verbunden. Besonders gut belegt ist der Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Übergewicht steht aber auch mit einem erhöhten Risiko für Darmkrebs, Leberkrebs, Nierenkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs, Gebärmutterkörperkrebs und Brustkrebs nach der Menopause in Verbindung.
Es wird vermutet, dass Übergewicht und Adipositas oft mit chronischen Entzündungsprozessen einhergehen. Zudem ist bekannt, dass Fettgewebe Hormone produziert – insbesondere Östrogene –, die das Wachstum bestimmter Tumoren fördern können.
Nach den Berechnungen der Studie seien 960.000 verlorene gesunde Lebensjahre auf Übergewicht zurückzuführen.
5. Alkoholkonsum
Alkoholkonsum gehört zu den wichtigsten verhaltensbedingten Risikofaktoren für zahlreiche Krankheiten. Ein besonders gut belegter Zusammenhang besteht zwischen Alkohol und Krebserkrankungen. Diesen Risikofaktor hätte man daher wohl eher auf vorderen Platzierungen erwartet. Aber immerhin noch für zwei Prozent der verlorenen Jahre macht ihn das Forscherteam verantwortlich.
Das bedeutet: Mit einem geringeren Konsum oder einer Alkoholabstinenz wären 2023 rund 480.000 gesunde Lebensjahre mehr erhalten geblieben.
6. Mangelnde Aktivität
Ebenfalls mit einem Anteil von zwei Prozent (480.000 Jahre) schlug mangelnde körperliche Bewegung zu Buche. Körperliche Inaktivität wirkt sich auf viele zentrale Prozesse im Körper aus und kann langfristig die Gesundheit erheblich beeinträchtigen.
Besonders gut untersucht ist der Zusammenhang zwischen Bewegungsmangel und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Zahlreiche Studien zeigen aber auch, dass regelmäßige Bewegung mit einem geringeren Risiko für mehrere Krebsarten verbunden ist, darunter Darmkrebs und eben Brustkrebs sowie möglicherweise auch Gebärmutterkrebs.
4. Warum Lebensstil so stark auf das Brustkrebsrisiko wirkt
Viele der identifizierten Risikofaktoren greifen in grundlegende biologische Prozesse ein, die für die Krebsentstehung relevant sind. Übergewicht beispielsweise verändert den Hormonhaushalt des Körpers und erhöht insbesondere nach den Wechseljahren die Konzentration von Östrogenen – Hormone, die das Wachstum bestimmter Brusttumoren fördern können.
Auch chronisch erhöhte Blutzuckerwerte und Insulinspiegel stehen mit Zellwachstum und entzündlichen Prozessen in Verbindung, die die Entstehung von Tumoren begünstigen können. Alkohol wiederum beeinflusst sowohl den Hormonstoffwechsel als auch die Fähigkeit des Körpers, DNA-Schäden zu reparieren.
Rauchen trägt über zahlreiche krebserregende Substanzen direkt zur DNA-Schädigung bei. Gleichzeitig wirkt körperliche Aktivität nachweislich protektiv, weil sie den Stoffwechsel reguliert, Entzündungsprozesse reduziert und beim Gewichtsmanagement hilft.
5. Brustkrebs wird häufiger – Prävention wird in Zukunft noch wichtiger
Die Studienautoren betonen, dass die globale Brustkrebsbelastung in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich weiter steigen wird. Besonders in Ländern mit niedrigen und mittleren Einkommen nimmt die Zahl der Erkrankungen und Todesfälle zu, während in wohlhabenderen Ländern Screeningprogramme und bessere Therapien die Sterblichkeit teilweise senken konnten.
In Deutschland ist laut der Studie ist die Zahl der Brustkrebsfälle pro 100.000 Frauen zwischen 1990 und 2023 um knapp 22 Prozent auf rund 100 gestiegen, während die Sterblichkeitsrate ist im gleichen Zeitraum um rund 23 Prozent auf etwa 22 gesunken.
Damit gewinnt die Prävention künftig zunehmend an Bedeutung.
Lebensstilmaßnahmen können zwar nicht jeden Brustkrebsfall verhindern, doch sie bieten eine der effektivsten Möglichkeiten, das Risiko auf Bevölkerungsebene zu reduzieren.
Die aktuelle Analyse aus The Lancet Oncology zeigt damit eindrucksvoll, wie groß das Präventionspotenzial tatsächlich ist. Ein gesunder Lebensstil ist nicht nur eine Investition in allgemeines Wohlbefinden – er könnte auch dazu beitragen, einen beträchtlichen Anteil zukünftiger Brustkrebsfälle zu verhindern.