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Hashimoto-Thyreoiditis – was Sie über die Autoimmunerkrankung der Schilddrüse wissen sollten

  • Dr. Christian Lunow
  • 22. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Gewichtszunahme und Stimmungsschwankungen – die Symptome der Hashimoto-Thyreoiditis sind vielfältig und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Die chronische Autoimmunerkrankung der Schilddrüse betrifft inzwischen Millionen Menschen weltweit.

In diesem Artikel erfahren Sie, was hinter Hashimoto steckt, wie die Erkrankung erkannt wird, welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen – und worauf Betroffene besonders achten sollten.


Was ist Hashimoto-Thyreoiditis?

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung der Schilddrüse – und zugleich eine der häufigsten Autoimmunerkrankungen überhaupt. Am häufigsten tritt sie zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr auf; Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.

Bei Hashimoto greift das Immunsystem fälschlicherweise das eigene Schilddrüsengewebe an. Dadurch entsteht eine dauerhafte Entzündung, die langfristig zu einer Unterfunktion (Hypothyreose) führen kann.

Die genauen Ursachen sind bis heute nicht vollständig geklärt. Neben einer genetischen Veranlagung spielen vermutlich auch Stress, Infektionen, Jodzufuhr und Ernährungsfaktoren eine Rolle.Erstmals beschrieben wurde die Erkrankung 1912 vom japanischen Arzt Hakaru Hashimoto.


Hashimoto-Thyreoiditis
Hashimoto-Thyreoiditis

Symptome: Wenn die Schilddrüse aus dem Gleichgewicht gerät

Die Schilddrüse ist klein, hat aber großen Einfluss auf den gesamten Körper – sie steuert Stoffwechsel, Energiehaushalt, Herzfrequenz und Stimmung. Gerät sie aus dem Gleichgewicht, kann das viele Beschwerden verursachen:

  • Müdigkeit und Antriebslosigkeit

  • Gewichtszunahme und Kälteempfindlichkeit

  • Trockene Haut, brüchige Haare

  • Konzentrationsprobleme, depressive Verstimmungen

  • Verdauungsbeschwerden

Die Symptome entwickeln sich meist schleichend über Jahre und werden oft erst spät mit der Schilddrüse in Verbindung gebracht. In bestimmten Krankheitsphasen kann Hashimoto paradoxerweise sogar Symptome einer Überfunktion wie Nervosität oder Herzrasen auslösen.

Etwa ein Viertel der Betroffenen entwickelt zusätzlich weitere Autoimmunerkrankungen wie Zöliakie, Morbus Crohn oder Diabetes mellitus.


Hashimoto in der Praxisklinik für Diagnostik & Präventivmedizin

Oft wird Hashimoto zufällig bei einer Routine-Blutuntersuchung entdeckt – etwa über auffällige TSH-Werte.Ein spezielles Hashimoto-Screening für gesetzlich Versicherte gibt es bislang nicht.

In manchen Fällen werden leicht erhöhte TSH-Werte vorschnell behandelt oder umgekehrt eine beginnende Erkrankung übersehen. Sicherheit bietet ein umfassender Schilddrüsencheck, bei dem neben den klassischen Laborwerten auch Antikörper (TPO, TG) und Ultraschallbefunde ausgewertet werden.


Behandlung: Was hilft wirklich?

Eine ursächliche Heilung der Autoimmunreaktion ist derzeit nicht möglich.Ziel der Therapie ist daher, die Hormonproduktion zu stabilisieren und Beschwerden zu lindern.

Die Hormonersatztherapie mit L-Thyroxin gilt als Standard. Die Dosis muss individuell angepasst werden und kann einige Wochen oder Monate erfordern, bis die optimale Einstellung erreicht ist.

Eine erfolgreiche Behandlung erfordert regelmäßige Kontrolluntersuchungen und sollte idealerweise von erfahrenen Endokrinologen oder Fachärzt:innen für Schilddrüsenerkrankungen begleitet werden.


Warum eine frühe Diagnose so wichtig ist

Je früher Hashimoto erkannt wird, desto besser lässt sich die Erkrankung kontrollieren.Unter einer individuell abgestimmten Therapie können sich viele Symptome deutlich bessern – in manchen Fällen sogar vollständig zurückbilden.

Eine unbehandelte Hashimoto-Thyreoiditis kann langfristig auch andere Organe beeinträchtigen, darunter Herz, Leber und Nieren.


Hashimoto-Thyreoiditis
Hashimoto-Thyreoiditis


Vorsicht vor Heilsversprechen

Im Internet finden sich zahlreiche vermeintliche „Wundermittel“ oder Diäten gegen Hashimoto. Viele davon beruhen ausschließlich auf Einzelfallberichten und entbehren wissenschaftlicher Grundlage. Betroffene sollten kritisch prüfen, welche Informationen sie nutzen – und Behandlungen ausschließlich mit medizinischen Fachpersonen abstimmen.


Fazit

Die Hashimoto-Thyreoiditis ist die häufigste Ursache einer Schilddrüsenunterfunktion – vor allem bei Frauen.Auch wenn sie nicht heilbar ist, lässt sie sich mit einer gezielten Hormontherapie gut behandeln. Frühe Diagnose, regelmäßige Kontrollen und ein bewusster Lebensstil sind entscheidend, um Beschwerden zu lindern und langfristige Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Wer trotz Therapie weiter Symptome verspürt, sollte sich an einen erfahrenen Schilddrüsenspezialisten wenden. Mit der richtigen Behandlung können Menschen mit Hashimoto ein weitgehend beschwerdefreies und aktives Leben führen.

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