Jetlag – Auswirkungen auf die Gesundheit und wie man sie mindert
- Dr. Christian Lunow
- 9. Mai 2024
- 2 Min. Lesezeit
Fernreisen über mehrere Zeitzonen gehören für viele Menschen zum Alltag – ob geschäftlich oder privat. Doch häufig bringt der Flug nicht nur neue Eindrücke, sondern auch ein unangenehmes Begleitphänomen mit sich: den Jetlag.
Der sogenannte „Zeitzonenkater“ entsteht, wenn sich die innere biologische Uhr (der circadiane Rhythmus) nicht sofort an die neue Ortszeit anpasst. Besonders ältere Menschen und Personen mit bestehenden Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen können unter den Folgen stärker leiden.
WAS GENAU IST JETLAG?
Beim Jetlag gerät der natürliche Tag-Nacht-Rhythmus des Körpers aus dem Gleichgewicht. Schlaf, Hormonproduktion, Körpertemperatur und Verdauung laufen nach der „alten“ Zeitzone weiter, während die äußeren Bedingungen bereits eine neue Zeit vorgeben. Je mehr Zeitzonen überflogen werden, desto stärker sind die Anpassungsschwierigkeiten.
Reisen nach Westen sind meist etwas leichter zu verkraften als Flüge nach Osten, da der Körper besser mit einem verlängerten Tag als mit einer verkürzten Nacht zurechtkommt.

TYPISCHE SYMPTOME
Die Beschwerden beginnen häufig kurz nach der Ankunft und können mehrere Tage anhalten. Typische Anzeichen sind:
Einschlaf- oder Durchschlafstörungen
Tagesmüdigkeit und Abgeschlagenheit
Konzentrationsprobleme und verminderte Leistungsfähigkeit
Gereiztheit oder Stimmungsschwankungen
Appetitlosigkeit und Verdauungsstörungen
Kopfschmerzen oder Kreislaufbeschwerden
Pro überquerter Zeitzone benötigt der Körper etwa einen Tag zur Anpassung. Bei Langstreckenreisen über fünf oder mehr Zeitzonen kann die Erholung also fast eine Woche dauern.
BELASTUNG FÜR HERZ UND KREISLAUF
Jetlag wirkt sich nicht nur auf den Schlaf, sondern auch auf das Herz-Kreislauf-System aus.Gestörter Schlaf und Stresshormone wie Cortisol können den Blutdruck erhöhen und das vegetative Nervensystem belasten. Zudem führt langes Sitzen während des Fluges zu einer eingeschränkten Durchblutung, was das Risiko für Thrombosen erhöht – insbesondere bei bestehenden Vorerkrankungen.
Daher gilt:
Ausreichend trinken, um Dehydrierung zu vermeiden
Regelmäßig aufstehen und die Beine bewegen
Kompressionsstrümpfe tragen bei längeren Flügen
Menschen mit Herz- oder Bluthochdruck sollten ihre Werte nach der Reise kontrollieren und gegebenenfalls ärztlichen Rat einholen.
ÄLTERE REISENDE SIND BESONDERS BETROFFEN
Mit zunehmendem Alter fällt es dem Körper schwerer, seinen Schlaf-Wach-Rhythmus umzustellen. Dazu kommen häufig bestehende Erkrankungen oder Medikamente, die den Anpassungsprozess zusätzlich verlangsamen.
Bei älteren Reisenden kann Jetlag daher deutlicher spürbar sein und länger anhalten. Neben Schlafproblemen treten häufiger Konzentrationsschwächen, Kreislaufbeschwerden oder Schwankungen des Blutzuckerspiegels auf.
TIPPS ZUR VORBEUGUNG UND BEHANDLUNG
Vor der Reise:
Schlafenszeit schrittweise an die Zielzeitzone anpassen
Ärztliche Beratung bei Vorerkrankungen oder Medikamenteneinnahme
Leichte, ausgewogene Ernährung und ausreichend Flüssigkeit
Während des Fluges:
Viel Wasser trinken, Alkohol und Koffein meiden
Regelmäßig bewegen, Dehnübungen im Sitzen durchführen
Kompressionsstrümpfe bei langen Flügen tragen
Nach der Ankunft:
Möglichst viel Tageslicht tanken (unterstützt die innere Uhr)
Geregelte Schlafenszeiten beibehalten
Schlafumgebung ruhig, dunkel und kühl gestalten
Leichte Mahlzeiten bevorzugen, auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten
In manchen Fällen kann auch Melatonin helfen, die innere Uhr schneller zu synchronisieren – dies sollte jedoch immer ärztlich begleitet werden.
FAZIT
Jetlag ist mehr als nur eine harmlose Müdigkeit nach dem Flug – er kann Herz, Kreislauf und Stoffwechsel belasten und das Wohlbefinden spürbar beeinträchtigen. Mit gezielten Maßnahmen lässt sich das Risiko jedoch deutlich verringern. Wer häufig Langstreckenflüge unternimmt oder Vorerkrankungen hat, sollte seine Gesundheit im Blick behalten – idealerweise durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen oder im Rahmen eines umfassenden Gesundheitschecks.



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